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Updated:
03.05.2011
E-Mail: protonentherapie@psi.ch


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Fragen und Antworten zur Protonentherapie

Was sind Protonen?
Protonen sind positiv geladene Teilchen und die Atomkerne des Wasserstoffs. Protonen treten mit einer wählbaren Energie in den menschlichen Körper ein und bewegen sich auf einer geraden Bahn bis zu einer genau berechenbaren Tiefe. Auf der Bahn geben die Protonen nur wenig Strahlung ab. Gegen Ende der Reichweite werden die Teilchen langsamer, bis sie in der berechneten Tiefe in einem Punkt, dem nach dem Physiker Bragg benannten "Bragg-Peak", zum Stillstand kommen. Hier wird nun die grösste Strahlenmenge abgegeben. Hinter dem Bragg-Peak fällt die Strahlendosis innerhalb weniger Millimeter auf Null ab. Diese physikalische Tatsache ist der Grund für den Einsatz der Protonen in der Medizin: Man kann Tumouren in der Tiefe bestrahlen, ohne "über das Ziel hinaus zu schiessen".

Wie wirkt Protonentherapie?
Die Wirkung der Strahlentherapie beruht auf der Ionisation von Gewebemolekülen. Die ionisierende Wirkung führt zu einer Schädigung des Zellkerns, der Kernmembran und anderer Zellenbestandteile, was schlussendlich zu einer Störung des Zellenwachstums führt. Die Zellteilung wird unterbrochen oder die Zellen sterben ab.
Protonen haben im Vergleich zu den in der konventionellen Strahlentherapie verwendeten Photonen besondere Eigenschaften. Sie geben ihre maximale Dosis, die für die Zerstörung der Tumourzellen verantwortlich ist, am Ende ihrer Bahn ab, d.h. dort, wo sie stoppen (sogenannte Bragg-Spitze). Die Geschwindigkeit (Energie) wird so gewählt, dass die Protonen genau am voraus berechneten Ort im Tumourgewebe stoppen. Hinter dem Tumour, im gesunden Gewebe, wird keine Dosis abgegeben. Vor dem Tumour beträgt die Dosis deutlich weniger als bei Photonen. Deshalb wird das gesunde Gewebe bei der Strahlentherapie mit Protonen optimal geschont. Vorteile sind geringere Nebenwirkungen und die Möglichkeit, im Tumourvolumen deutlich höhere Strahlendosen zu plazieren.

Für welche Tumouren ist Protonentherapie besonders geeignet?
Protonen kommen sinnvollerweise dort zum Einsatz, wo eine höchstmögliche Präzision der Strahlenabgabe erforderlich ist. Wenn grossräumige Bestrahlungen medizinisch notwendig sind, bringen die Protonen nicht unbedingt einen Vorteil. In Zweifelsfragen kann man eine vergleichende Therapieplanung durchführen und die Entscheidung für eine Protonen- oder Photonenbestrahlung anhand der berechneten Verteilung der Strahlendosis fällen.

Welche Erfahrungen gibt es mit Protonentherapie (Heilungschancen)?
Protonen kommen seit 1954 zu medizinischem Einsatz. Damals hat man in Berkeley in Kalifornien erstmals Patienten mit den geladenen Teilchen bestrahlt. Seitdem wurden weltweit über 70'000 Menschen an verschiedenen Zentren mit Protonen bestrahlt, meist wegen Tumouren im Auge (Aderhautmelanome), im Hirn, an der Schädelbasis und Wirbelsäule und im Becken. Die grössten Tumourgruppen bilden die Augenmelanome (über 30'000) sowie die Chordome und Chondrosarkome der Schädelbasis und Wirbelsäule. Der eindrückliche Erfolg der Protonentherapie der Aderhautmelanome mit einer lokalen Tumourkontrolle von über 98% nach 5 Jahren sowie die Anhebung der Kontrollraten von etwa 40% auf über 80% für Chondrosarkome und auf über 65% für Chordome der Schädelbasis untermauern die These, dass durch eine präzise räumliche Deponierung die Strahlendosis soweit erhöht werden kann, dass auch relativ strahlenunempfindliche Tumouren in ihrem Wachstum gestoppt bzw. vernichtet werden können, ohne dass gleichzeitig eine dauerhafte Schädigung der gesunden Nachbarstrukturen hervorgerufen wird. Dieser Grundsatz hat zur Entwicklung der Spot-Scanning-Technik und der kompakten Gantry am PSI geführt. Ebenso entstehen zur Zeit auch in anderen Ländern (v.a. in Japan, USA) Protonentherapieanlagen, die für die Bestrahlung von Tumouren in allen Regionen des Körpers geeignet sind. Damit werden wir in Zukunft das Spektrum der Indikationen für Protonentherapie erweitern und solche Tumouren bestrahlen können, die mit der konventionellen Strahlentherapie in den Kliniken nicht oder nicht ausreichend therapiert werden können. Die PSI-Anlage bietet dank der Scanning-Technik besondere Vorteile für die Präzision der Bestrahlung. Sie ist mit Einsatz der intensitätsmodulierten Therapiemöglichkeit weltweit zur Zeit nur am PSI realisiert.

Welche Nebenwirkungen treten auf?
Nebenwirkungen werden eingeteilt in Akutwirkungen und Spätwirkungen. Sie hängen grundsätzlich sowohl von der Strahlendosis in den gesunden Strukturen ab als auch von den jeweiligen Organen. Strahlung wirkt dort, wo sie abgegeben wird. So gibt es keinen Haarausfall, wenn nicht der Schädel bestrahlt wird. Wenn eine Bestrahlung z.B. unter Einschluss der Schleimhaut der Blase und des Enddarms notwendig ist, muss man mit Reizerscheinungen und vorübergehenden Entzündungszeichen rechnen, die in der Regel innerhalb weniger Wochen nach Abschluss der Behandlung abklingen. Falls Sie eine Strahlentherapie benötigen, wird man Sie über die typischen möglichen Nebenwirkungen genau aufklären. Da die Protonen meist sehr wenig Strahlung im gesunden Gewebe abgeben, sind die Nebenwirkungen in der Regel gering und symptomatisch behandelbar. Akutwirkungen treten während der Behandlung oder unmittelbar danach auf und klingen in der Regel innerhalb weniger Wochen ab. Spätwirkungen treten nach Monaten und zum Teil Jahren nach einer Bestrahlung auf und klingen leider oft nicht völlig ab. Sie erfordern meist regelmässige Behandlung und können das Wohlbefinden der Patienten stark einschränken. Daher wird bei der Planung einer Strahlentherapie grosser Wert auf die Schonung der gesunden Organe gelegt, vor allem, wenn sie zu Spätreaktionen neigen - z.B. Nerven, Haut, Hirngewebe. Protonen erlauben auch hier meist eine weitgehende Schonung dieser Strukturen, so dass die Rate an späten Komplikationen niedrig ist.

Spürt man etwas während der Bestrahlung?
Bestrahlung schmerzt nicht, sie brennt nicht, das heisst, die PatientInnen spüren nichts während der Behandlung. Selten gibt es Situationen, in denen bestimmte Zentren im Hirn bestrahlt werden müssen, in denen unsere Sinne beheimatet sind. Dann kann es kurzfistig während der Bestrahlung zu Sinnesreizungen wie z.B. Lichtblitzen oder Geruchsempfindungen kommen.

Wie lange dauert eine Therapie?
Strahlentherapie wird meist über einen längeren Zeitraum verabreicht. Man bestrahlt mir kleinen Einzeldosen pro Bestrahlungsfraktion, bis die berechnete Gesamtdosis erreicht ist, die den Tumour zerstören soll. So dauert die gesamte Behandlung in der Regel zwischen 25 und 37 Bestrahlungstage. Am PSI können 5 Fraktionen pro Woche verabreicht werden; das bedeutet Therapie während 5 bis 8 Wochen. An einem Bestrahlungstag muss man mit durchschnittlich einer halben Stunde für die Therapie rechnen. Die meiste Zeit wird auf die hochpräzise Lagerung verwendet, denn nur so können wir sicherstellen, dass der Tumour ausreichend bestrahlt und das gesunde Gewebe wirklich optimal geschont wird. Die eigentliche Bestrahlung dauert nur wenige Minuten.

Wo wohnen die Patienten und Patientinnen während der Therapie?
Die Protonentherapie wird - wie überall auf der Welt - meist ambulant durchgeführt. Unsere Patientinnen und Patienten wohnen entweder in einem Umkreis von maximal eineinhalb Stunden Fahrtzeit, oder sie mieten in der Umgebung ein Apartment oder Zimmer. Wir haben Kontaktadressen und sind bei der Suche behilflich. Wir legen grossen Wert darauf, dass die Patienten während der Therapie nicht alleine in einer Wohnung sind, ohne Begleitung und gewohnte Umgebung. Falls eine ständige Begleitung durch Familienmitglieder oder Freunde nicht möglich ist, bestehen wir auf einer Unterbringung in einem nahegelegenen Spital. Falls PatientInnen eine Unterbringung im Spital benötigen (unter anderem auch während einer kombinierten Behandlung mit Chemotherapie), ist ebenfalls eines der Spitäler im Kanton Aargau unser Partner. Andere Spitäler können in Sonderfällen und bei Bedarf (z.B. bei der Behandlung von Kleinkindern unter Anästesie) hinzugezogen werden.

Wie kommen Patienten und Patientinnen ans PSI?
Meist werden PatientInnen durch Kliniken oder Spezialärzte zugewiesen; oft nehmen aber auch Angehörige oder Freunde oder die PatientInnen selbst mit uns Kontakt auf. Wir nehmen uns immer die Zeit, die jeweilige Situation zu besprechen. Eine Protonentherapie wird bei gegebener Indikation in Absprache mit den auswärtigen behandelnden Ärzten durchgeführt. Unsere Kapazitäten sind beschränkt und wir konzentrieren uns auf Indikationen, bei denen die Protonentherapie im Vergleich zur modernsten konventionellen Strahlentherapie deutliche Vorteile bietet oder die einzige Therapiemöglichkeit darstellt. Seit 2007 betreiben wir die Protonentherapie über das ganze Jahr und unser Angebot hat sich deutlich erweitert.

Was kostet die Therapie?
Die Protonentherapie ist heute international noch wesentlich teurer als eine konventionelle Photonentherapie in einer Klinik. In der Schweiz ist sie kostenmässig mit komplexen Bestrahlungen konventioneller Strahlentherapie vergleichbar. Mit der Kommerzialisierung dieser neuen Technik werden sich die Kosten denjenigen modernster Photonentherapien auch bei weniger komplexen Fällen annähern. Da die kurz- und langzeitigen Nebenwirkungen bei der Protonentherapie aufgrund der Genauigkeit der Bestrahlung geringer sind, sind die Folgekosten kleiner. Die Protonentherapie hat deshalb das Potenzial, die Heilung von Krebs zu tiefern Gesamtkosten anzubieten und damit einen Beitrag zur Reduktion der Gesundheitskosten zu leisten; dies ist aber heute noch nicht bewiesen und muss durch klinische Studien in der Praxis noch eingehender aufgezeigt werden.

Wird die Behandlung von den Krankenkassen bezahlt?
Seit dem 1. Januar 2002 gehört die Protonentherapie für die folgenden Tumouren zu den obligatorischen Pflichtleistungen der Schweizerischen Krankenkassen:
- Meningiome
- Niedriggradige Gliome (Grad 1 und 2)
- Tumouren im Bereich der Schädelbasis sowie ORL-Tumouren mit Bezug zu kritischen Strukturen
- Knochen- und Weichteilsarkome
- Tumouren bei Kindern und Jugendlichen (auch Kleinkinder mit Anästhesie), wenn zum Schutz des wachsenden Organismus eine besonders schonende Bestrahlung angezeigt ist.



Wie kann ich Kontakt aufnehmen? Wer gibt mir Auskunft?
Das Sekretariat des Zentrums für Protonentherapie am PSI stellt den Kontakt her. Das Sekretariat sowie die ÄrztInnen des Zentrums geben gerne Auskunft.

Tel. +41 (0)56 310 3524
Fax +41 (0)56 310 3515

oder e-mail: protonentherapie@psi.ch