Die Erfolge der Augentherapie mit Protonen (OPTIS-Projekt)
und das internationale Interesse an der am PSI
entwickelten Spot-Scanning-Technik für
die Bestrahlung von tiefliegenden Tumoren an
der Gantry veranlasste 1998 die Direktion des
PSI, Strategien zur weiteren Entwicklung der
Protonentherapie am PSI zu erarbeiten. Basierend
auf einer in Auftrag gegebenen Studie über
die Zukunft der Protonentherapie am PSI und
der Konsultation von Persönlichkeiten schweizerischer
Strahlentherapiezentren wurde im Oktober 1998
beschlossen, die Forschung und Entwicklung zu
verstärken, um die am PSI entwickelte innovative
Technik zusammen mit der Industrie zur Marktreife
zu bringen. Die Spot-Scanning-Technik wird für
den späteren Spitaleinsatz vorbereitet und den
neusten Erkenntnissen aus der klinischen Forschung
angepasst. Durch Weiterentwicklung der Scanning-Verfahren
sollen auch bewegliche Tumoren mit der geforderten
hohen Präzision bestrahlt werden können
(beispielsweise bestimmte Lungenkarzinome). Eine Steigerung
der behandelten Patientenzahl soll das Erfolgspotential
dieser Therapieform ausloten helfen.
Im
Rahmen einer Vorprojektstudie wurde 1999/2000
die Umsetzung der gesetzten Ziele abgeklärt.
Der eigentliche Projektstart von PROSCAN erfolgte
im Herbst 2000. In der heutigen NA-Halle, in
vernünftiger Nähe zu der dort stehenden Gantry,
wurde ein auf die vorgesehenen Anwendungen ausgerichtetes
Medizinzyklotron installiert. Die Beschaffung
des Zyklotrons ist im Mai 2001 erfolgt. Das
PSI hat sich nach eingehender Evaluation verschiedener
Angebote für ein supraleitendes 250 MeV-Zyklotron
von ACCEL Instruments GmbH entschieden. Dieses
Zyklotron erfüllt die anspruchsvollen PSI-Spezifikationen
und ermöglicht am PSI seit 2007 einen Ganzjahresbetrieb
für die Behandlung tief liegender Tumoren
mit Protonenstrahlen. Neben der bestehenden Gantry wird
im Rahmen des Projekts PROSCAN eine neue
Gantry 2 entwickelt und getestet, die mit fortgeschrittenen Bestrahlungsoptionen
ausgestattet ist und auch die Bestrahlung
von beweglichen Tumoren (bestimmte Lungen- und Mammakarzinome
etc.) ermöglicht. Dies wird durch mehrfaches schnelles
3-dimensionales paralleles
Scanning erreicht. Die neue Gantry 2 wird
intensitätsmodulierte Protonentherapie auch bei beweglichen Tumoren ermöglichen. Die Bestrahlungspräzision
wird mit der Gantry 2, dem weltweit modernsten Bestrahlungsgerät in der Protonentherapie, im Vergleich zur modernsten intensitätsmodulierten
Photonentherapie nochmals deutlich verbessert.
Modell der Protonentherapieanlage am PSI.
Das
PSI kann mit der erweiterten Anlage seinen internationalen
Ruf als Technolgiebasislabor für
fortgeschrittene Protonentherapie behalten und
ausbauen. Mit der Erweiterung der
Strahlentherapie-Einrichtungen am PSI kann aber
auch die klinische Forschung zur Protonentherapie
weiter intensiviert werden. Zudem werden in Zukunft
an den beiden Gantries ca. 300 Patientinnen und Patienten pro Jahr
von der neuartigen Strahlentherapie tief
liegender Tumoren profitieren können; dies
zusätzlich zu den 200 bis 250 Patientinnen
und Patienten, die heute schon am PSI weitgehend
routinemässig und mit eindrücklichen
Erfolgsraten von über 98 Prozent eine Augentherapie
erhalten.
Die
Federführung für die Erweiterung der
Protonentherapie liegt beim PSI, welches auch
die Spezifikationen für alle Anlagenteile
erstellt hat. Soweit möglich werden Aufträge
für die Lieferung der Anlagenteile in die
Industrie vergeben. Auch die Schweizer Industrie
profitiert von dieser Entwicklung und dem sich
eröffnenden zukünftigen Markt in der
Medizinaltechnik. Kompaktzyklotron, Strahllinien,
sowie die beiden Behandlungsräume (neue
Gantry 2 und OPTIS/Horizontalstrahl) dienen
als Referenz für den Bau von Spitalanlagen.

Der
Medizinpavillon am PSI wurde im Jahre 2004 den
erweiterten Anforderungen angepasst.

Im
Anästhesieraum am PSI (seit 2004 in Betrieb) werden
Kleinkinder auf die Bestrahlung mit Protonen
vorbereitet.
Zyklotron COMET während Aufbau (2004).
Die
Realisierung der Erweiterung der Protonentherapie-Aktivitäten
am PSI wurde im Herbst 2000 gestartet (Projekt
PROSCAN). Im Frühjahr 2004 wurden die Komponenten
des neuartigen supraleitenden Medizinzyklotrons
am PSI angeliefert und zusammengebaut. 2005 wurden die Inbetriebnahmetests gestartet und Erfahrungen für den Dauerbetrieb
gesammelt. Im Jahre 2006 wurde das
Zyklotron zusammen mit der Gantry 1 für
den Patientenbetrieb vorbereitet. Seit 2007 ist
die Protonentherapie am
PSI mit dem neuen supraleitenden Zyklotron COMET in Betrieb.
Parallel
dazu wurde die neue Gantry 2 entwickelt und aufgebaut und eine neue OPTIS2-Augenbestrahlungsstation an das neue Zyklotron angekoppelt. OPTIS2
ist seit Oktober 2010 am neuen
Standort routinemässig für den Patientenbetrieb im Einsatz. Die neue Gantry 2 wird 2013 für den Patientenbetrieb bereit stehen.
Die neuartigen Scanning-Verfahren für die Behandlung von beweglichen Tumoren (z.B. bestimmte Lungen- und Brustkarzinome) werden nach sorgfältigen Tests
für die Tumorbestrahlung bei Patienten freigegeben. Parallel zur Erweiterung der technischen Ausrüstung der Protonentherapieanlage wurde 2011 auch das Medizingebäude und die medizinische Infrastruktur erweitert.
Die
Investitionen für den Ausbau, inkl. OPTIS2, Gantry 2, und Erweiterung der Patienteninfrastruktur, belaufen sich
auf ca. 50 Mio. Franken. Finanziert werden sie durch das PSI, aus Mitteln
von Donatoren und aus Sponsorgeldern, einem Förderungsbeitrag von 20 Millionen Franken des Kantons Aargau, sowie durch den Technologietransfer
zur Industrie.
Die am PSI entwickelte Protonentherapie und das zugehörige Know-how aus dem Betrieb mit
der Spot-Scanning-Technik lizenziert das PSI (nicht-exklusiv) an die Industrie.
Fachleute des PSI beraten Kliniken bei
der Spezifizierung und beim Aufbau und Betrieb von Protonentherapieanlagen.
Das PSI betreibt auch Aus- und Weiterbildung
für Strahlenmediziner und Medizinphysiker
für die Anwendung der Protonentherapie und
bringt damit seine langjährige technische und klinische Erfahrung
auch in die Praxis an Spitälern.