Jede dritte Person
erkrankt heute in Europa im Laufe ihres Lebens an einem malignen
Tumor, und etwa jeder fünfte Mensch stirbt an Krebs. Die
Krebsüberlebensrate beträgt zur Zeit etwa 45 Prozent.
Dabei wird Heilung bei ca. 22 Prozent der Patientinnen und Patienten
durch einen chirurgischen Eingriff erzielt. Ca. 12 Prozent verdanken
ihre Heilung der Strahlentherapie und 6 Prozent einer Kombination
von Chirurgie und Strahlentherapie. Bei weiteren 5 Prozent der
Tumorpatienten wird Heilung durch Chemotherapie erzielt.
Ca. 70 Prozent der
Patientinnen und Patienten hatten zum Diagnosezeitpunkt keine
nachweisbaren Metastasen gebildet. Sie benötigen in der
Regel eine lokalregionale Behandlung durch Chirurgie und/oder
Strahlentherapie. Die lokale Tumorkontrolle, d.h. das Stoppen
des Wachstums der Primärtumoren ist Voraussetzung für
die Heilung der tumorkranken Menschen. Leider stirbt auch heute
noch jeder sechste Patient dadurch, dass der Primärtumor
nicht kontrolliert werden kann und sich danach Metastasen bilden,
sonst könnte die Heilungsrate um ca. 15 Prozent auf 60
Prozent verbessert werden.
Im Laufe der letzten
Jahrzehnte hat die Heilungsrate in der Strahlentherapie stark
zugenommen, lag sie doch in den 60er Jahren noch bei knapp 30
Prozent. Höhere Tumorkontrollraten wurden primär dadurch
erzielt, dass höhere Strahlendosen auf kleinere Behandlungsvolumina
angewendet werden konnten.
In der Schweiz existieren
16 radioonkologische Therapiezentren, davon 5 an Universitätskliniken, die mit modernsten konventionellen Strahlentherapiegeräten ausgerüstet sind.
Pro Jahr werden in diesen Zentren heute rund 18'000 Krebspatientinnen
und -patienten mit Strahlentherapie behandelt.
Die Fortschritte
in der Radioonkologie basieren primär auf technisch-physikalischen
Weiterentwicklungen (verbesserte Dosisverteilung innerhalb der
zu bestrahlenden Region), auf neuen radiobiologischen Erkenntnissen
und auf einer besseren Vorhersehbarkeit des Verhaltens von Tumor
und umgebendem Gewebe bei der Bestrahlung individueller Patientinnen
und Patienten.
Seit über 60 Jahren
ist die gute Wirkung von Protonenstrahlen zur Tumorkontrolle
bekannt. Patientenbehandlungen mit Protonen wurden vorwiegend
in physikalisch-technischen Forschungszentren durchgeführt.
Das PSI hat in Europa eine Pionierrolle übernommen: Schon seit
1984 werden am Institut Protonenstrahlen für die Behandlung
von Krebstumoren eingesetzt. Bis Ende 2011 wurden in Zusammenarbeit
mit dem Hôpital Opthalmique der Universität Lausanne
am PSI mehr als 5700 Patientinnen und Patienten mit Augentumoren
erfolgreich behandelt. Kein anderes Zentrum weltweit hat so
grosse Erfahrung bei der Behandlung dieser Tumorart mit Protonenstrahlen.
Weltweit rund
80'000 tumorkranke Menschen wurden bisher mit Protonen bestrahlt.
Es hat sich gezeigt, dass diese Therapieform ein beträchtliches
Potential beinhaltet, um eine weitere Verbesserung der Tumorkontrolle
bei gleichzeitiger Begrenzung von Nebenwirkungen zu erzielen und so die Heilungsraten von Krebspatientinnen und
-patienten zu erhöhen.
Die Kosten für eine Protonentherapie sind heute noch 2 bis 2,5 Mal höher als diejenigen für eine moderne konventionelle Strahlentherapie mit Photonen. Deshalb soll die Protonentherapie dort eingesetzt werden, wo der höhere klinische Nutzen (höhere Tumorkontrollrate und/oder geringere Kurz- oder Langzeit-Nebenwirkungen) die deutlich höheren Kosten rechtfertigt.